Mitarbeiterführung im Homeoffice

4 Jan Gordian Hense

Mitarbeiterführung im Homeoffice

Der Begriff Home Office ist nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie in aller Munde. Die Arbeitswelt hat sich dabei tatsächlich auf das Experiment eingelassen, Angestellte von ihrer Anwesenheitspflicht im Firmengebäude bzw. Büro zu entbinden und von zu Hause aus am eigenen Schreibtisch arbeiten zu lassen. Digitale Kommunikation sowie der eigene Internetanschluss machen es möglich – es ist sogar erwiesen, dass Mitarbeiter im Homeoffice effizienter arbeiten, alles in ihrem vorigen Umfeld. Führungskräfte stellt die Tätigkeit im Homeoffice jedoch vor eine Herausforderung, da sie sich nun auf eine andere Art der Führung einlassen müssen. Stefanie Brings ist Management-Beraterin und hilft Unternehmen dabei, geschäftliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Gerne möchten wir sie zum Thema Mitarbeiterführung im Homeoffice interviewen und sind auf ihre Antworten gespannt.

Hallo Frau Brings, schön dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Wie würden Sie die Arbeit im Homeoffice aus Führungssicht bewerten?

Stefanie Brings:

„Naja, es ist klar, dass solch eine einschneidende Änderung im gewohnten Arbeitsablauf bei manchen zunächst auf Widerstand stösst. Jede Veränderung bedeutet zuerst einmal eine Umgewöhnung. Ich kann es verstehen, wenn Führungskräfte sagen, dass sie im Homeoffice kaum die Möglichkeit haben, ihren Mitarbeitern über die Schulter zu schauen und deshalb auf reines Vertrauen angewiesen sind. Allerdings sollte man auch die Chance sehen, die sich dabei bietet. Aus meiner Sicht ist die Arbeit im Homeoffice absolut zukunftsfähig und ein richtiger Schritt in die Richtung einer flexiblen, ortsunabhängigen und digitalen Arbeitswelt. Als Führungskraft würde ich mich darauf freuen, dass meine Mitarbeiter von nun an mehr Eigenverantwortung bekommen und effizienter arbeiten. Das ist erwiesen, ausserdem kann es ja auch eine Entlastung sein, nicht mehr permanent in einem Raum anwesend sein zu müssen. So kann sich jeder besser auf das Wesentliche konzentrieren und dennoch gute Arbeit machen.”

 

Welche Tipps haben Sie, im Hinblick auf Kommunikation, für eine gelungene Mitarbeiterführung bei der Arbeit im Homeoffice parat?

Stefanie Brings:

„Das Zauberwort heisst hierbei ganz klar Verbindlichkeit. Wenn man sich nicht mehr täglich sieht, führt das zu einer räumlichen und emotionalen Distanz, die sich nur dadurch überbrücken lässt, dass man durch Verbindlichkeit und ein offenes Ohr Nähe schafft. So können Führungskräfte zum Beispiel dazu übergehen, für ihr eigenes Team feste Zeiten oder Blocker im Kalender zu setzen und diese als Angebot für Austausch, Hilfestellung und gemeinsame Absprachen zu kommunizieren. Insbesondere schwächeren Mitarbeitern hilft es, zu wissen, wann im Laufe des Tages sie ihren Chef erreichen können und dass dieser sich weiterhin nach wie vor um sie kümmert. Genauso, wie man von Angestellten erwartet, dass sie Deadlines einhalten, sollten auch die Chefs versprochene Rückmeldungen tätigen und niemanden unnötig warten lassen, nur weil er gerade nicht persönlich im Büro vorsprechen kann. Smalltalk oder Austausch auf dem Flur und in der Kantine können auf Hangouts oder in Digitalmeetings verlagert werden.

 

Inwieweit sollten Führungskräfte ihre Mitarbeiter im Homeoffice fördern und ermutigen?

Stefanie Brings:

„Was das angeht, bin ich für eine gut ausgewogene Balance zwischen Empowerment und Loslassen. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, vom Chef durch Anrufe und E-Mails permanent kontrolliert zu werden, geht das Ganze definitiv in eine falsche Richtung. Statt Überprüfung auszuüben, muss die Führungsetage Loslassen lernen und auf die Stärken bzw. die Eigenverantwortung einzelner Mitarbeiter setzen. In jedem Team gibt es Personen, die es lieben, selbstständig zu arbeiten und bei genügend Freiraum wahre Höchstleistungen vollbringen. Andere Mitarbeiter kann man durch gezieltes Empowerment fördern und anhand von konkreten, aber fairen Zielvorgaben in die Pflicht nehmen”.

 

Das hört sich gut an. Können Sie uns sagen, was sich bei der Arbeit im Homeoffice ändert, wenn es um die Bemessung der Arbeitsleistung geht und was man dabei beachten sollte?

Stefanie Brings:

„Die Abwesenheit der eigenen Person zwingt Führungskräfte dazu, die Bewertung der Arbeitsleistung nicht mehr anhand von zeitlichen Faktoren vorzunehmen, sondern viel mehr Fokus auf den tatsächlichen Output zu legen. Zeiterfassung hin oder her – am Ende des Tages zählt für ein Unternehmen, welche konkreten Ergebnisse und Leistungen erzielt wurden. Umsatzzahlen und inhaltliche Leistungen sprechen für sich. So gesehen eröffnet die Arbeit im Homeoffice auch neue Möglichkeiten, mit Incentivierung anders umzugehen. Letztendlich sind der Kreativität bei der Schaffung neuer Anreizsysteme keine Grenzen gesetzt. Wer seine Mitarbeiter motiviert und gleichzeitig deren Work-Life-Balance im Blick hat, wird für Zufriedenheit und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Motivation, Produktivität und Privatleben sorgen. Kann ein Familienvater zum Beispiel seine Arbeit besser mit dem Familienleben vereinbaren und seine Kinder öfter sehen, ist es logisch, dass er bei der Arbeit auch motivierter ist und bessere Leistung bringt”.

 

Uns war gar nicht bewusst, welche Chancen im Arbeitsmodell Homeoffice liegen. Wie würden Sie abschliessend die neue Rolle der Führungskraft vor diesem Hintergrund beschreiben?

Stefanie Brings:

„Ich sehe die Person an der Spitze eines Teams bei der Arbeit im Homeoffice als Unterstützer und Koordinator, welcher im Hintergrund einzelne Abläufe managed, Termine festlegt und sich um die Belange der Mitarbeiter kümmert. Er oder sie steht in regelmässigem, telefonischem oder digitalem Austausch mit dem Team und die Interaktion sollte als Angebot, niemals jedoch als Zwang oder Kontrollmechanismus wahrgenommen werden. Die neue Rolle der Führungskraft bei der Arbeit im Homeoffice sehe ich also darin, Verbindlichkeit zu zeigen und für Produktivität zu sorgen, um die bestmögliche Umsetzung der Interessen des Unternehmens waren zu können und gleichzeitig gemeinsam mit dem Team, unter Einbindung aller, den besten Weg zur Zielerreichung zu finden. Gemeinsam ist man stark.”

 

Frau Brings, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!

 

Photo by Catherina Schürmann on Unsplash

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