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Welche Zahlarten sind besser?

In der Schweiz herrscht die Zahlart "Rechnung", mit der Kunden in Online-Shops bezahlen, vor. Viele Online-Shops richten sich danach und produzieren, oft ohne es zu wissen, hohe Kosten. Alle beschweren sich aber zeitgleich über die Hochpreisinsel Schweiz. Viele Kunden glauben zudem noch, diese Art der Bezahlung ist besonders sicher. Das ist aber ein Trugschluss. Warum das so ist, erkläre ich hier.

Flug- und SBB-Tickets sowie Leihwagen werden antstandslos per Kreditkarte bezahlt

84 % der Bestellungen in der Schweiz wurden 2014 per Rechnung bezahlt. 12 % nutzten Kreditkarte nur rund 1 % nutzten Debitkarten wie z.B. die von der Postfinance. Quelle: Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV). Allerdings wurden bei dieser Untersuchung nur die Geschäfte der Online-Händler berücksichtigt. Alle anderen Geschäfte - auch über das Internet - werden bevorzugt per Kreditkarte bezahlt. So werden z.B. Flüge, SBB-Tickets und Leihwagen anstandslos per Kreditkarte bezahlt. Obwohl die Beträge dafür im Schnitt viel höher ausfallen als bei Online-Käufen in Online-Shops mit sonstigen Waren.

Eine Analyse zeigt, dass der Grund für dieses Verhalten vor allem in der Gewohnheit liegt und dem Aberglauben - mit Rechnung bezahlen sei sicherer.

Im Jahr 2016 wurden rund 1 % Betrug bei Online-Shops, 0.5 % Mobile-Shops und 0.5 % bei Telefonbestellungen in Online-Shops begangen. Vor allem mit Bestellungen per Rechnung. Bei einem Umsatzvolumen von rund 7.5 Milliarden CHF in 2016 sind das zusammen 150 Mio. CHF Verluste pro Jahr für alle Online-Händler.

Zahlung per Rechnung ist eigentlich ein Anachronismus - also eine nicht mehr zeitgerechte Form des Bezahlens - und das aus verschiedenen Gründen. Nur weil viele Schweizer meinen das wäre besonders sicher, wird diese Art der Zahlung bevorzugt - von Kunden wie von Händlern. Das mag vor allem auch an dem Umgang mit dem roten / orangen Einzahlungsschein hängen, an den sich viele aus Bequemlichkeit gewöhnt haben. Damit wird wohl mit der Einführung der IBAN hoffentlich bald Schluss sein. Denn die Kosten für die Bearbeitung der Einzahlungsscheine sind enorm und müssen von Kunden und Händlern getragen werden. Banken verlangen mitlerweile zwischen 1.20 CHF und 1.80 CHF für jeden manuell bearbeiteten Einzahlungsschein.

Probleme für Kunden

Bezahlt und schlechte Ware oder Dienstleistung erhalten?

In vielen Fällen wird bei der Wahl "per Rechnung zahlen", zu erste eine Rechnung versendet die der Kunde bezahlen muss und dann, wenn der Zahlungseingang erfolgt ist, wird die Ware gesendet. In diesem Fall schützt also die Zahlung per Rechnung herzlich wenig, wenn dann die Ware doch nicht die gewünschte Ware oder sogar fehlerhaft ist. Auch schützt sie nicht davor, dass überhaupt Ware geliefert wird. Das ist ein Trugschluss vieler Kunden. Sie behaupten nämlich, dass man ja mit einer Adresse auf der Rechnung in der Schweiz den Lieferanten jederzeit belangen kann. Was ist denn nun wenn die Adresse nicht existiert? Überprüft das irgend ein Kunde vorher? Das heisst, auch hier hat im Schlimmsten Fall der Händler das Geld und der Kunde keine Ware?

Ware erhalten, Rechnung erhalten und dann das Limit überschritten?

Der normalste Weg ist, die Ware mit der Rechnung zusammen zu erhalten. Ist die Ware in Ordnung wird die Rechnung bezahlt. Aber Achtung, die Zeiten in denen man eine Rechnung drei Monate liegen lassen konnte sind vorbei. Viele Händler sind zu Zahlungszielen zwischen 10 und 30 Tagen übergegangen. Viele Kunden beachten das nicht und zahlen später. Damit werden sie automatisch in einer Datenbank erfasst, in der schlechte Zahler aufgeführt werden. Im einfachsten Fall macht jeder Händler das selber und ein Automatismus im System blockiert die Zahlungsweise Rechnung für den Kunden und zukünftige Bestellungen. Bei der nächsten Bestellung kann der Kunde dann nicht mehr per Rechnung bestellen, kann also, weil er einmal zu spät gezahlt hat, ab sofort nur noch per Kreditkarte, Postfinance, PayPal oder Vorauszahlung zahlen.

Eine Rechnung nicht bezahlt und schon gibt es eine schlechte Bewertung!

Viele Kunden wissen nicht, dass mit jeder Rechnung die sie bekommen ein Bewertungssystem für sie startet. Das ist auch bei Bestellungen "offline" so. Der Versand einer Rechnung wird in vielen Fällen elektronisch in Datenbanken hinterlegt, dann wird gemessen wie schnell und ob die Rechnung bezahlt wurde. Anhand dieser Daten werden viele Systeme gefüttert. Kunden die also, ab und zu mal eine Rechnung nicht innert der Zahlungsfrist zahlen, bekommen dort eine schlechte Bewertung. Und diese Bewertung wird in vielen anderen Fällen herangezogen, wenn es darum geht die Bonität des Kunden zu überprüfen. Ob der Kunde einen Kredit beantragt, in Raten zahlen will oder überhaupt die Option "per Rechnung" zahlen angeboten bekommt - die Bewertung in diesen Datenbanken spielen eine grosse Rolle dabei. Diese Vorgehensweise wurde aus verschiedenen Gründen von den Händlern eingeführt. Zum Beispiel um Provisionen für die Vermittlung auszahlen zu können. Für Rechnungen die nicht bezahlt wurden, möchte kein Händler Provisionen zahlen (Affiliate-Systeme).

Für Kunden ist es also eigentlich besser per elektronischer Art z.B. per Kreditkarte, PayPal oder Postfinance zu bezahlen. Erstens wird eine Bonitätsprüfung direkt bei der Bestellung durchgeführt - sie wissen damit selber wie gut sie sind. Der Betrag wird dem Händler direkt gut geschrieben und die Ware meist sofort geliefert. Ein Zahlungsverzug kann nicht entstehen und somit auch keine schlechte Bewertung für den Kunden - seine Weste bleibt weiss. Der Kunde ist meist über das Zahlungssystem vor Betrug geschützt. In einem Betrugsfall kann er sich an seinen Zahlungspartner wenden. Und, der Kunde hilft die Kosten für die Transaktionen gering zu halten. Viele Händler sind auch schon dazu übergegangen das zu belohnen.

Probleme für Händler

Die Option "Zahlung per Rechnung" liefert den Händlern mehrere Nachteile. Und jeder Nachteil wirkt sich in Form von Kosten aus. Kosten die der Händler über Preise wieder einnehmen muss, sonst macht er Verlust. Das heisst die Kunden zahlen immer die Zeche.

Direkte Kosten

- Das Ausdrucken einer Rechnung, das Falten, das Kuvertieren und Versenden kostet Geld und Zeit. Papier, Drucker, Strom, Druckerfarbe, Arbeitszeit der Mitarbeiter und das Porto verschlingen Unsummen im Vergleich zu elektronischer Zahlung.

- Jede Rechnung mit Einzahlungsschein am Schalter produziert bei den Banken eine Gebühr von zwischen 1.20 CHF und 1.80 CHF. Manche Händler versuchen diesen Betrag als Gebühr auf die Kunden abzuwälzen, andere rechnen sie einfach in die Preise mit ein.

- Darüber hinaus gibt es einen bestimmten Prozentsatz an Kunden die ihre Adresse nicht richtig angeben. Diese Briefe kommen zurück und müssen von Mitarbeitern manuell und einzeln bearbeitet werden. Hier entstehen Arbeitszeiten und erneute Portokosten (Rück- und neues Porto).

- Der Zahlungseingang muss überprüft werden. Bei nicht Einhaltung müssen entsprechende Massnahmen erfolgen. In den meisten Fällen wird der Zahlungseingang heute elektronisch überprüft. Dabei entstehen Kosten für die Schnittstellen (Einrichtung und Betrieb). Die Rechnung befindet sich im ERP-System und wird mit den Zahlungseingängen des Bankkontos verglichen.

- Ca. 10 % aller Rechnungszahler machen aber Probleme, welche manuell nachbearbeitet werden müssen. Es muss mit dem Kunden korrespondiert werden, es müssen Nachforderungen erstellt werden (Mahnungen) was wieder zu Papier-, Druck-, Handling- und Portokosten führt.

- Zahlung per Rechnung ist auch immer ein kostenloser Kredit an den Kunden - den der Händler bezahlen muss. Bei vielen Rechnungen kann das enorme Summen an Kapitalbildung erzeugen, Gelder mit denen der Händler nicht arbeiten kann.

- Und zu guter Letzt müssen, die Kunden, die ganz und gar nicht kooperieren wollen an ein Inkassobüro übergeben werden oder bei denen der Rechtsweg eingeschlagen werden muss. Beides kostet den Händler meist noch mehr als der Wertverlust der Ware. Dennoch kann man diese Dinge nicht ungesühnt lassen.

Indirekte Kosten

- Zu den indirekten Kosten zählen zum Beispiel die Kapitalbindungskosten. Aussenstände muss man als Kredite an Kunden betrachten, deren Geld dem Unternehmen in der Zeit nicht zur Verfügung steht. Die Kosten wären also die Wiederbeschaffung der Gelder inkl. Zins und Zinseszins, so wie das Agio und der Aufwand des Kreditabschlusses.

- Das Ausfallrisiko muss auch in Form von Kosten betrachtet werden. Ein Unternehmen muss mit Einnahmen rechnen. Wenn aber immer 10 % nicht spätestens bis Zahlungsziel zahlen, dann muss dieses Riskiko in Form von Kosten bewertet werden.

- Ware wird blockiert. So lange der Kunde die Rechnung nicht zahlt, wird die Ware vom Abverkauf blockiert. Das heisst, der Händler kann die Ware in dieser Zeit nicht an einen anderen Kunden verkaufen, der eventuell sofort bezahlt. Dadurch entsteht ein Schaden.

- Viele Online-Händler lassen ihre Kunden von externen Unternehmen "realtime" auf Bonität prüfen. Kunden die in diesen Datenbanken einen schlechten "Score" haben, wird die Zahlungsart "Zahlung per Rechnung" gar nicht erst angezeigt. Das soll die Ausfälle reduzieren helfen. Natürlcih kostet die Benutzung dieser Systeme etwas.

Zusammenfassung

Bei elektronischen Zahlungsmöglichkeiten sind zwar Gebühren zu zahlen, jedoch wiegen diese all die hier genannten Punkte auf. Für den Kunden besteht oft ein besserer Schutz gegen Betrug und für den Händler sind die Vorteile in Form von viel niedrigeren Kosten und einem rund laufenden Geschäftsprozess zu beachten. Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund für beide Parteien ganz auf Rechnungszahlung zu verzichten.