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Konzerne kannibalisieren ihre Händler und ihre Märkte

In einer mir bekannten Verbrauchsgüterbranche findet derzeit eine erschreckende Entwicklung statt. Viele Einzelhändler haben sich in den letzten Jahren - um Deckungsbeiträge und damit ihr Geschäft zu halten - neben ihrem Vor-Ort-Geschäft einen Online-Shop zugelegt.

Schnell kam der Unmut der Hersteller auf, dass dieses (Online-) Geschäft nicht über sie selber läuft und ihnen selber keine satten Gewinne einbringt.

Die meisten der Hersteller antworteten in dem sie selber weltweite Online-Shops eröffneten und als "Eierlegendewollmilchsau" auf allen Ebenen gegen die Einzelhändler antreten liessen. Zig Sprachen, zig Währungen, zig Optionen. Natürlich wird dort auf lokale Preisstrukturen, Modelle und Vertriebsstrukturen keine Rücksicht genommen und so haben sie selber für einen Preisrückgang ihrer Produkte gesorgt. Denn sie bieten ihre Waren zu dem niedrigsten Preis nun transparent in allen Ländern an, den sie bisher nur in wenigen Ländern verwendet haben. Gleichzeitig verkaufen sie in ihren Online-Shops die Ware zu einem empfohlenen Verkaufspreis und oft sogar billiger, den sie den Händlern ebenfalls aufzwingen. Auch liegen die Distributionszentren und die Kundenansprache im billigen Ausland. Damit haben sie eine künstliche Konkurrenz zu den Online-Einzelhändlern geschaffen, in der Hoffnung ihnen einen Teil des Umsatzes zu entreissen und gleichzeitig den Service für die Kunden verschlechtert. Oft müssen nun Kunden Zoll- und Einfuhrsteuerzahlen obwohl sie bei einem Marken-Hersteller gekauft haben und einen persönlichen Kontakt können sie nicht oder nur schwer herstellen.

Damit aber nicht genug. Mit irrwitzigen Werbebudgets schiessen sie die Klickpreise und Provisionen der Affiliate-Netzwerke im Internet in astronomische Höhen. Bei bestimmten Keywords haben sich in den letzten Jahren die Klickpreise (CPCs) um mehr als 400 % erhöht. Die einzigen die davon profitieren sind Google und Affiliate-Netzwerke. Alle anderen verlieren, denn der Markt ist natürlich nur 100 % gross, aber der Preis für die Vermarktung wird immer teurer.

Einige Hersteller haben nun gemerkt, dass sie im lokalen Geschäft – auch Aufgrund der wachsenden Zahl an Online-Shops - enorme Umsatzrückgänge verzeichnen und diese nicht mit ihren Online-Aktivitäten kompensieren können. Also fangen sie nun sogar noch online an dieses Geschäft zu fördern. Neben Anzeigen für ihre eigenen Online-Shops schalten sie nun zusätzlich Anzeigen für lokale Einzelhändler, die ihre Waren führen, um dieses Geschäft wieder zu beleben.

Jeder der Online-Marketing betreibt, weiss, dass diese Vorgehensweise die Klickpreise enorm in die Höhe schiessen lässt. Buhlen doch dann drei Gruppen um die Keywords, wo es vorher nur eine Gruppe gab. Einzelhändler – Hersteller und nun noch Hersteller für Einzelhändler lokal.

Neben den Herstellern haben weitere Akteure den Schweizer Markt betreten und treiben die Klickpreise ebenfalls in die Höhe. Denn auch diese werben über Google AdWords. Diese Akteure sind grosse Händler aus dem Ausland, Affiliate-Netz-Betreiber bzw. deren Publisher und grosse Internet-Marktplätze wie Amazon, Siroop, Ricardoshops oder das neu von der Post gestartete Kaloka. Alle buhlen um die selben Kunden, sind aber mit unterschiedlicher Kriegskassen unterwegs.

Derzeit findet deshalb auch ein zerstörerischer Wettbewerb statt, der nur ein paar Grosse übrig lassen wird. Für die Schweiz wird das bedeuten, dass manche Hersteller in Zukunft mit Amazon und vielleicht mit Siroop verhandeln müssen. Dabei wird aber Amazon und Siroop den Ton angeben, weil es daneben keine anderen Vertriebswege mehr gibt. Denn die Hersteller sind gerade dabei die anderen Strukturen (Einzelhändler, kleinere Online-Shops) zu zerstören, die sie in ein paar Jahren wieder gebrauchen könnten.

Ich frage mich dabei schon, wie weit in den Konzernzentralen gedacht wird.

 

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